Dynamische Komplexität
Ein Maß, das den Reichtum eines Verlaufs erfasst — Amplitude, Frequenz und Verteilung in einem.
Dynamische Komplexität ist ein Maß für Zeitreihen, das die Amplitude und die Frequenz von Fluktuationen mit der Verteilung der Messwerte über den Bereich der Skala verbindet. Üblicherweise wird sie innerhalb eines gleitenden Fensters berechnet, sodass der Verlauf der Komplexität selbst über die Zeit sichtbar wird.
Wo ein Mittelwert eine Reihe zu einer einzigen Zahl verflacht, versucht dieses Maß gerade zu erfassen, wie reich und wie veränderlich ein Verlauf ist. Eine Zeitreihe, die sich bald ruhig, bald heftig bewegt, die sowohl große als auch kleine Ausschläge kennt und den ganzen Bereich der Skala nutzt, erhält eine hohe dynamische Komplexität. Eine flache, eintönige Reihe eine niedrige. Es ist, könnte man sagen, ein Maß für die Lebendigkeit eines Signals.
Das Messen eines nahenden Umschlags
Der klinische Wert liegt vor allem in jenem gleitenden Fenster. Da das Maß den Verlauf der Komplexität durch die Zeit wiedergibt, kann es Spitzen sichtbar machen, die mit einer kritischen Instabilität zusammenhängen — der Unruhe, die einem Ordnungsübergang vorausgeht. Im Synergetic Navigation System Schiepeks wird dynamische Komplexität daher verwendet, um auf der Grundlage täglicher Selbsteinschätzungen nahende Wendepunkte in einem Therapieverlauf aufzuspüren.
Wir merken dabei an, wie stets, dass ein Maß ein Hilfsmittel ist und kein Orakel. Der Wert der dynamischen Komplexität liegt nicht in einer Zahl für sich, sondern in dem, was es zusammen mit dem Gespräch und dem klinischen Blick sichtbar machen hilft: dass unter einem scheinbar unsteten Verlauf eine bedeutsame Bewegung verborgen liegen kann und dass es sich lohnt, ihr zum richtigen Zeitpunkt Aufmerksamkeit zu schenken.