№ 24

Generische Prinzipien

Die Bedingungen, die Selbstorganisation in Veränderungsprozessen wahrscheinlicher machen.

Die generischen Prinzipien sind aus der Synergetik abgeleitet und beruhen auf den Grundsätzen der Selbstorganisation. Sie beschreiben die Bedingungen, die erfüllt sein sollten, damit Selbstorganisation in menschlichen Veränderungsprozessen stattfinden kann.

Das Besondere an diesem Begriff ist die Verschiebung, die er bewirkt. Wo das instruktive Behandlungsmodell fragt „welche Technik erzielt welche Wirkung", fragt das Denken in generischen Prinzipien „welche Bedingungen machen es wahrscheinlicher, dass ein System sich neu ordnet". Nicht das Ergebnis wird unmittelbar angestrebt, sondern das Feld, in dem eine neue Ordnung entstehen kann.

Bedingungen schaffen statt Ergebnisse erzwingen

Schiepek hat eine Reihe dieser Prinzipien formuliert, die sich frei zusammenfassen lassen als: für Stabilität und Sicherheit sorgen; die Muster identifizieren, auf die es ankommt; Energie und Motivation in Bewegung bringen; auf die Bedeutung achten, die die Dinge für diesen Menschen haben; und Interventionen auf den richtigen Moment abstimmen — die Phase, in der das System für Veränderung empfänglich ist. Es sind keine Techniken, sondern Vorbedingungen, keine Rezepte, sondern eine Haltung.

Unserem Eindruck nach macht dieser Begriff etwas explizit, was erfahrene Klinikerinnen und Kliniker oft schon intuitiv tun. Er bietet eine Sprache, um zu begründen, warum man mitunter gerade nicht eingreift, warum das Timing schwerer wiegt als die Technik und warum dasselbe Protokoll bei dem einen Menschen blüht und bei dem anderen verdorrt. Er verbindet gewissermaßen die Wissenschaft der Selbstorganisation mit dem Handwerk des Sprechzimmers.