Ordnungsparameter
Die Größe, die das Verhalten des Ganzen beschreibt — und ihrerseits die Teile ordnet.
Ein Ordnungsparameter ist ein Maß oder ein Begriff, mit dem sich das globale Verhalten eines Systems aus vielen Komponenten oder Subsystemen in einer einzigen Größe fassen lässt. Wo die einzelnen Teile jeweils ihren eigenen Weg zu gehen scheinen, beschreibt der Ordnungsparameter das Muster, das sie gemeinsam bilden.
Der Begriff stammt aus der Synergetik Hermann Hakens. Das Bemerkenswerte an ihm ist die doppelte Richtung, in der er wirkt. Einerseits geht der Ordnungsparameter aus dem Zusammenwirken der vielen Teile hervor — er entsteht von unten. Andererseits beginnt er, einmal entstanden, das Verhalten ebendieser Teile einzuschränken und zu lenken; Haken sprach vom Versklaven, dem In-Dienst-Nehmen der Komponenten durch das Muster, das sie selbst hervorgebracht haben. Zwischen dem Kleinen und dem Großen besteht so eine Kreiskausalität: Bottom-up und Top-down zugleich.
In der Psychotherapie
In der Arbeit von Günter Schiepek ist der Ordnungsparameter eines therapeutischen Prozesses kein einzelner Messwert, sondern ein Muster — ein Zusammenspiel von Beschwerden, Bedeutungen, Beziehungen und Verhalten, das als Ganzes eine Richtung hat. Ein solches Muster lässt sich, seiner Auffassung nach, an der Kohärenz erkennen, die es über die Zeit zeigt: Stimmung, Selbstbild, Schlaf und Aktivität bewegen sich nicht unabhängig voneinander, sondern als Facetten einer zugrunde liegenden Ordnung.
Der praktische Wert liegt darin, dass man, indem man dem Ordnungsparameter folgt, nicht einzelne Symptome, sondern das sie tragende Muster steuern kann. Ändert sich der Ordnungsparameter, so verschiebt sich das System als Ganzes — mitunter allmählich, mitunter in einem Sprung. Vorsichtig formuliert bietet der Begriff damit eine Sprache für das, was Klinikerinnen und Kliniker oft intuitiv spüren: dass unter der Vielzahl der Beschwerden eine einzige Bewegung verborgen liegt.