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Rekursivität

Wenn das Ergebnis eines Schrittes zur Eingabe des nächsten wird — und das System auf sich selbst einwirkt.

Rekursivität, oder Iteration, bezeichnet das Phänomen, dass die Komponenten eines Systems rückbezüglich aufeinander einwirken: Das Ergebnis einer Operation wird zur Eingabe der nächsten. Durch diese wiederholte Rückkopplung entstehen Zustandsfolgen, die aus der Wirkung von Operationen auf Operationen hervorgehen.

Es ist einer der stillen Motoren hinter komplexem Verhalten. Chaos, so merkt Schiepek an, resultiert aus der Vernetzung von Komponenten, die rekursiv aufeinander einwirken. Dreierlei ist dafür erforderlich: gemischtes Feedback — positives und negatives Feedback im Zusammenwirken —, mindestens eine gewisse Nichtlinearität in der Wechselwirkung und eine Mindestausprägung eines relevanten Kontrollparameters. Wo diese Bedingungen zusammenkommen, kann ein System aus einfachen, wiederholten Regeln erstaunlich reiches Verhalten hervorbringen.

Sich selbst nährende Muster

Im klinischen Kontext macht Rekursivität verständlich, warum manche Muster so hartnäckig sind. Ein Gedanke nährt ein Gefühl, das ein Verhalten hervorruft, das den ursprünglichen Gedanken bestätigt — und die Schleife ist geschlossen. Kein einzelnes Glied ist die Ursache; es ist die Rückkopplung selbst, die das Muster aufrechterhält. Wer feststeckt, ist unserem Eindruck nach oft in einem solchen sich selbst nährenden Kreis gefangen.

Zugleich bietet eben diese Einsicht Hoffnung. Ein rekursives Muster kann auch zum Guten kippen: Ändert sich ein Glied dauerhaft, so kann sich die ganze Schleife neu ausrichten. Das erklärt, warum eine scheinbar kleine, aber durchgehaltene Verschiebung mitunter eine unerwartet große Wirkung hat — und warum das Timing, der Moment, in dem eine Intervention den Kreis berührt, so sehr ins Gewicht fällt.